Im Frühjahr 2001 bist Du nach 36 Dienstjahren als juristischer
Sekretär des Kirchenrates der evangelisch-reformierten Landeskirche
des Kantons Zürich in den Ruhestand getreten. Auch wenn die Herausgeber
dieses Jahrbuches nicht berufen sind, Dein Wirken in der Zürcher Landeskirche
einer angemessenen Würdigung zukommen zu lassen, so sind sie doch
der festen Meinung, dass dieses Ereignis im Kreis Deiner Kirchenrechtskollegen
nicht unerwähnt bleiben darf.
Im Laufe der vergangenen Jahre bist Du vielen Kollegen mit Rat und
Tat zur Seite gestanden, hast Du uns mündlich und in den Berichten
in diesem Jahrbuch über die Fortentwicklung des Zürcher Staatskirchenrechtes
orientiert, hast Du uns an den Kirchenjuristentagungen auch angeregt mit
Deinem ganz eigenen, originellen Blick auf die Kirche und ihr Recht. Zwei
Themen, sagst Du, haben Dich im Laufe Deines Berufslebens stets beschäftigt:
die Art und Weise, wie das Recht in der reformierten Kirche wahrgenommen
wird (wobei die namentlich in der Pfarrerschaft früher verbreitete
negative Perzeption à la Sohm heute einer vorsichtig-positiven Wertschätzung
gewichen ist). Sodann auch die Änderungen, welche sich im Kasualienrecht
angesichts der Zunahme der bekenntnisverschiedenen Ehen ergeben haben.
Beide Themen spiegeln die geänderte gesellschaftliche Situierung der
Kirche, ebenso ein drittes Thema, das Du als Dossier noch in die Pensionierung
mitgenommen hast: die Reform des Verhältnisses von Kirche und Staat
im Kanton Zürich, aktuell geworden mit der 1995 verworfenen Trennungsinitiative.
Für die Schweizerischen Vereinigung für evangelisches Kirchenrecht
bist Du ein Mitglied der ersten Stunde. Dies eigentlich contre cœur, denn
als es 1992 um die Vereinsgründung ging, warst Du der Überzeugung,
dass unsere seit den achtziger Jahren bestehenden Zusammenkünfte gerade
nicht in feste Strukturen gebunden werden sollten. Dieses Misstrauen gegenüber
Institutionen und das Vertrauen auf den Geist ist, wie mir scheint, bezeichnend
für Dich. Ebenso aber, dass Du den Verein, nachdem er nun einmal aus
der Taufe gehoben war, stets mit Kräften unterstützt hast, dies
zuletzt auch als Vorstandsmitglied.
Bei gelegentlichen Besuchen an der Blaufahnenstrasse 10 konnte der
Schreibende jeweils die Geschäftslast in Deinem Ressort und damit
auch Deine Gemütslage in etwa an der Höhe der Aktenberge erkennen,
die sich auf Deinem Arbeitstisch türmten. Beim letzten Besuch vor
Deiner Pensionierung schienen diese Berge weniger hoch zu sein als auch
schon. Dafür war ein anderer Berg in greifbare Nähe gerückt:
der Heinzenberg, wo Du im elterlichen Haus nun einen Teil der zurückgewonnenen
freien Zeit verbringen wirst. Wenn wir Dich dort besuchen werden, werden
wir gewiss nicht über Kirchenrecht mit Dir reden. Denn zu diesem Teil
Deines Lebens wirst Du nach eigener Aussage rasch Distanz gewinnen. Ein
Gespräch über Gott und die Welt – das wollen wir aber weiterhin
mit Dir führen!
August 2001
Im Namen der Herausgeber:
René Pahud de Mortanges